Casey-Interview Porsche European Open: „Der Gejagte zu sein, ist eine schöne Position“

Stuttgart. Paul Casey reist als Titelverteidiger zu den Porsche European Open nach Hamburg. Erstmals seit gut einem Jahr wird der Engländer, der inzwischen in Scottsdale, Arizona, lebt, dabei wieder europäischen Boden betreten. Im Interview mit dem Porsche Newsroom spricht der dreimalige Ryder-Cup-Champion über die Lehren aus der herausfordernden Zeit, die Gründe für sein sehr erfolgreiches Jahr auf der Tour, seine Freude, wieder vor Zuschauern abschlagen zu können – und die Mission Titelverteidigung bei den Porsche European Open, die vom 5. bis 7. Juni auf dem Porsche Nord Course bei Hamburg ausgetragen werden.

Paul, Sie haben bei ihrem Sieg bei den Porsche European Open 2019 immer von einem speziellen Erfolg gesprochen. Warum?
„Geschichte spielt in unserem Sport eine sehr große Rolle. Und dieses Turnier hat eine unglaubliche Geschichte. Es ist eines der wichtigen Events der European Tour, unter den bisherigen Siegern der European Open findet sich das Who is Who des Golfsports weltweit. Das ist, was zählt. Im Sport geht um es den Pokal und um die Namen, die auf dem Pokal zu finden sein. Jeder Spieler auf jeder Tour will doch die Turniere gewinnen, die seine Helden schon gewonnen haben. Und ich habe schon als Kind bei den European Open in England Anfang der 1990er das Scoreboard über den Platz in Walton Heath getragen. Das sind prägende Erinnerungen.“

Was ist schwieriger: einen Titel zu gewinnen oder einen Titel zu verteidigen?
„Verteidigen macht richtig viel Spaß, aber es ist mir noch nicht so gut gelungen. Ich habe es als Amateur geschafft, als Profi aber nur ein einziges Mal. Interessanterweise habe ich als Titelverteidiger weniger Druck, weil ich nichts mehr beweisen muss. Der Gejagte zu sein, ist eine schöne Position. Frustrierend sind nur knapp verpasste Siege. Das habe ich bei den Porsche European Open hinter mir, deswegen freue ich mich sehr auf die Titelverteidigung.“

Ihr Jahr ist bislang sehr erfolgreich. Sieg in Dubai, Top-Platzierungen in den Majors und in einigen weiteren Turnieren. Woher kommt die Konstanz?
„Ich habe seit diesem Jahr einen neuen Driver im Bag. Seither schlage ich ab wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dabei geht es nicht um die Länge, sondern vielmehr um die Kontrolle. Ich weiß, der Golfball macht keine komischen Dinge, die ich nicht erklären kann. Das gibt mir sehr viel Selbstvertrauen. Und Selbstvertrauen führt zu einem sicheren Schwung, ein Schneeballeffekt.“

Sie haben als Viertplatzierter den Sieg von Phil Mickelson bei der PGA Championship aus nächster Nähe erlebt. Was ziehen Sie aus dem zweiten Major des Jahres?
„Für mich mit meinen 43 Jahren ist Phil Mickelson mit über 50 wirklich eine Inspiration. Wichtig sind bei Phil zwei Dinge, denke ich. Er ist von Verletzungen verschont geblieben. Und er hat sich seine Leidenschaft für den Sport bewahrt. Er spielt auf einem Niveau wie vor zehn, 20 Jahren und er wirkt so fit wie nie. Seine anhaltende Motivation ist beeindruckend.“

Wie konserviert man die Leidenschaft für den Sport über Jahrzehnte?
„Für mich ist wichtig, andere Leidenschaften zu haben. Wenn Golf alles für dich ist, bist du schnell ausgebrannt. Gleichzeitig dürfen diese Leidenschaften aber nicht zu viel Zeit beanspruchen. Es geht um die Balance und jeder ist anders. Aber ich habe sehr viele Dinge, die mir großen Spaß bereiten, angefangen bei Sportwagen. Das hilft – gerade auch, wenn es Rückschläge gibt.“

Um Rückschläge geht es auch in der diesjährigen Kampagne, die Sie mit Porsche umgesetzt haben.
„Ja, wir haben uns mit den Schwierigkeiten befasst, die jeder manchmal hat, nach vorne zu kommen, gerade in den vergangenen eineinhalb Jahren. Hier sind wir wieder bei Motivation, bei Problemen und Krisen, die wir alle kennen. Im Sport konzentrieren wir uns häufig auf den Erfolg. Man sieht den Pokal, den Jubel. Aber ich verbringe 99 Prozent meiner Zeit damit, nicht den perfekten Schlag zu machen, nicht zu gewinnen. Es gibt so viele Zweifel, Verletzungen, Enttäuschungen, falsche Entscheidungen. Die Message ist: Du kannst an der Herausforderung wachsen. Schlage den nächsten Ball. Es geht um Durchhaltevermögen.“

Hört die Suche nach Perfektion jemals auf?
„Nein, es gibt immer Dinge, die zu verbessern sind, gerade am Golfschwung. Es geht um das eine Prozent hier und da. Das sind die wichtigen kleinen Schnipsel. Wir sind alle Perfektionisten in einem Sport, der nie perfekt beherrscht werden kann. Aber wir versuchen zu perfektionieren, was wir nicht perfektionieren können.“

Inwiefern haben die vergangenen herausfordernden Monate Auswirkung auf Ihre Herangehensweise?
„Wir lernen in dieser Zeit alle, wie wichtig Freundschaften sind, soziale Kontakte und das gemeinsame Erleben. Auch deswegen freue ich mich so auf Hamburg. Viele der Jungs auf der European Tour habe ich sehr lange nicht gesehen. Gleichzeitig macht es mich glücklich zu sehen, wie viele Unterstützer wie Sponsoren oder Veranstalter es gibt, die an den Golfsport glauben und die es möglich gemacht haben, dass wir auch in diesen Zeiten noch Golf-Turniere spielen können. Vielleicht liegt es daran, dass Golf vieles von dem verkörpert, was Menschen wichtig ist – Ehrlichkeit, Disziplin und Fairness. Wie schwierig die Situation gerade ist, sehen wir ja aktuell bei den Porsche European Open, die im vergangenen Jahr abgesagt und in diesem Jahr verschoben werden mussten. Auch deswegen möchte ist das Turnier und die Beteiligten voll unterstützen.

Was haben Sie in den vergangenen Monaten auf der Tour vermisst?
„Mit Messer und Gabel von einem Teller zu essen. Tatsächlich war auf der Tour zuletzt aus gutem Grund alles Essen verpackt. Aber viel wichtiger: die Zuschauer. Bei der PGA Championship habe ich erstmals wieder diese Energie gespürt, die von den Fans auf dem Kurs ausgeht. Das war berauschend. Und nun haben wir auch in Hamburg wieder Fans vor Ort. Ich kann es kaum erwarten. Golf mit Zuschauern ist eine komplett andere Geschichte. Was aber leider nicht klappt, ist, dass ich aufgrund der aktuellen Bestimmungen vor dem Turnier mit dem Porsche von London nach Hamburg zu kommen.“

Das hatten Sie geplant?
„Ja, das wäre cool gewesen, oder? So muss ich jetzt wohl in der Turnierwoche kleine Umwege von der Golfanlage zum Hotel und zurück nehmen, um ein bisschen was vom Umland mitzunehmen und schöne Strecken zu fahren. Am besten im Leader’s Car. Das war 2019 eine super Sache, die Leute haben mir die ganze Zeit gewinkt. Es steht ja auch groß „Leader“ auf der Seite. Schon ein besonderes Gefühl. Oder ich gewinne das Hole-in-One-Fahrzeug, den Taycan Turbo S Cross Turismo. Der Wagen ist perfekt für Golfer mit dem vielen Platz. Ich liebe ja die GT Modelle von Porsche. Aber das ist auch ein cooles Auto. Mein Alltagsfahrzeug ist ein Cayenne Coupé. Aber ich kann mir vorstellen, dass ich ihn gegen den Cross Turismo tausche. Wenn man nur ein Auto haben kann, ist das perfekt.“

Sie sind seit September 2020 Porsche Markenbotschafter. Wie sind Sie in der Porsche Familie aufgenommen worden?
„Es ist wirklich eine Ehre. Ich kann so viel aus dieser Partnerschaft ziehen, weil ich ja selbst so motorsportverrückt bin. Und wenn ich so authentisch für etwas einstehen kann, dann will ich das auch tun. Deswegen freue ich mich, dass wir so viel zusammen auf die Beine stellen – Kampagnen, Podcasts, Events. Ich will meine Botschafterrolle voll ausfüllen und das darf ich, das ist großartig. Und ich lerne so viele tolle Menschen kennen, mit denen ich mich über Motorsport austauschen kann. Es ist unglaublich inspirierend.“

Porsche im Golfsport
Seit 2015 ist Porsche Titelsponsor der zur European Tour zählenden Porsche European Open und engagiert sich seit 2019 mit Automobil-Partnerschaften bei drei Turnieren auf der Asian und European Tour erfolgreich im Profigolfsport. Im vergangenen Jahr unterstützte Porsche darüber hinaus den UK Swing mit der Initiative „Golf for Good“ der European Tour. Zudem richtet der Sportwagenhersteller seit mehr als drei Jahrzehnten den Porsche Golf Cup aus. Die Turnierserie zählt zu den erfolgreichsten Kundenevents des Unternehmens. 1988 erstmals in Deutschland ausgetragen, hat sich der Porsche Golf Cup zu einer internationalen Veranstaltung entwickelt, an der zuletzt mehr als 17.000 Porsche-Kunden in 261 weltweit ausgespielten Qualifikationsturnieren teilgenommen haben. Großen Erfolg feiert der Porsche Golf Circle, eine internationale und App-basierte Community für golfbegeisterte Porsche-Kunden, die 2017 ins Leben gerufen wurde.

Markenbotschafter als Teil der Porsche-Familie
Paul Casey ergänzt seit dem vergangenen Jahr als erster Botschafter aus dem Golfsport die Porsche-Familie. Zu dieser gehören im Tennis die aktuell beste deutschen Spielerin Angelique Kerber sowie die fünfmalige Grand-Slam-Gewinnerin Maria Sharapova und die frühere Weltklassespielerin Julia Görges. Ebenfalls im Sportbereich ist der Fußball-Weltmeister Sami Khedira als Botschafter der Porsche Jugendförderung aktiv. Darüber hinaus repräsentieren zur Unternehmens- und Produktkommunikation die deutsche Rallye-Legende Walter Röhrl, der australische Langstreckenweltmeister Mark Webber, der zweifache norwegische Olympiasieger Aksel Lund Svindal sowie Schauspieler Richy Müller den Sportwagenhersteller. Zuletzt sind zum Kreis der Markenbotschafter zwei ehemalige Porsche Werksfahrer dazu gestoßen: GT-Spezialist und Entwicklungsfahrer Jörg Bergmeister sowie der zweifache Le Mans-Sieger Timo Bernhard.

Quelle: PM Porsche Event – und Sportkommunikation
Fotos: Porsche PEO/Getty Images