Furioses Finish bringt Rahm ersten Major Titel in Torrey Pines

Jon Rahm gewinnt die 121. Ausgabe der U.S. Open im Torrey Pines GC in La Jolla, Kalifornien! Mit einer tagesbesten 67er Finalrunde (-4) und 6 unter Par total räumt der 26-jährige Baske seinen ersten Major Titel ab und ist damit der erste Spanier, der die U.S. Open gewinnen konnte – das schaffte nicht mal seine großes Idol Seve Ballesteros, dem er den Titelgewinn anschließend emotional widmete. Rahm war mit -2 total aus den Top 10 in den Championship-Sunday gestartet und hielt sich lange Zeit bei -4 insgesamt, nach drei Birdies und einem Bogey auf den Frontnine. Dann kam aber der furiose Endspurt – zwei irre Birdies auf den Löchern 17 und 18 mit jeweils fast identischen Links-Rechts-Downhill-Putts aus größerer Distanz, die allerschwersten Übungen für einen Rechtshänder, brachten den Triumph. Da ließ er seinen Emotionen jeweils freien Lauf, ballte die Faust und schrie die enorme Anspannung in die Welt hinaus, tanzte vor Freude auf den Grüns und machte seinem Spitznamen „Rahmbo“ alle Ehre.

Rahm glaubt an Karma, wie er in den Interviews nach dem Turnier zum Besten gab. Und dieser Ort vor den Toren San Diegos hat schon was magisches für ihn. Hier gewann er mit der Famers Insurance Open seinen ersten Titel auf der US PGA Tour, hier machte er seiner Frau Kelley den Heiratsantrag, San Diego ist zudem die Lieblingstadt des Ehepaares und es war „Father’s Day“ in den USA, wobei Jungvater Rahm gleich sein im April geborenes Kind vom 18. Grün die ganze Strecke bis in den Scoring Bereich auf dem Arm mitnahm. Und nicht zu vergessen, Rahm war erst vor zwei Wochen beim Memorial nach dem dritten Turniertag und einem Vorsprung auf den Zweitpaltzierten von sieben Schlägen mit einem offensichtlich falsch-positiven Coronatest aus dem Verkehr gezogen worden. Das musste jeder alles großes Pech empfinden – ein gefühlt geklauter Titel, denn Rahm war nicht nur zweimal geimpft, sondern sowohl davor als auch danach jeweils mehrfach negativ getestet worden.

Mit seinem sensationellen Finish setzte er natürlich seinen härtstesten Konkurrenten, Louis Oosthuizen, derart unter Druck, dass dieser am Ende einknickte und mit einem Bogey auf der 17 auf -4 total zurückfiel. Kurz zuvor hatte der Südafrikaner noch alleine in Front gelegen mit 5 unter Par total und alles schien darauf hinauszulaufen, dass der OPEN Champ von 2010, nach elf Jahren endlich seinen zweiten Major Titel holen könnte und das Stigma des ewigen Zweiten bei Majors würde abstreifen können. Doch wieder nichts! „King Louis“ blieb erneut „nur“ die Runner-up-Position.

Aber Oosthuizen war bei weitem nicht der einzige Topstar, der auf den Backnine des South Course in Torrey Pines zu straucheln begann und am Ende ein Waterloo erlebte: Fragen Sie mal Titelverteidger Bryson DeChambeau!? Nach zehn Bahnen noch in Führung liegend begann sein Desaster auf Loch 11, diesem fiesen, langen Par 3. Von da bis zur 17 verlor er sagenhafte acht (!) Schläge. Die Krönung der Schmach war das Doppel-Par auf der 17. Aber auch Rory McIlroy (NIR) mit einer 73 (+2) und T7 oder ein Dustin Johnson (USA) mit einer 74 (+3) auf T19 bekamen allesamt die Krise und blieben weit hinter ihren Erwartungen und Möglichkeiten.

Spaß machte dagegen das hervoragende Auftreten und Abschneiden von Guido Migliozzi. Der junge Italiener war hier bei seinem ersten Major, nach zuletzt guten Leistungen auf der European Tour und holte sich gleich mal den geteilten 4. Rang gemeinsam mit zwei gestandenen Major Siegern wie Brooks Koepka und Collin Morikawa (beide USA). Der alleinige 3. Platz ging an Harris English (USA), dem zum Abschluß eine 68 (-3) gelang.

Martin Kaymer erzielte schließlich eine 73 (+2) und finishte in den Top30 (T26). Das kann man nach den zuletzt in Serie verpassten Cuts als Erfolg sehen, am Ende ist das aber nicht der Anspruch eines zweifachen Major Siegers unten den Platzierten zu landen, sondern mal wieder ein „Ding“ zu gewinnen – davon war der 36-jährige Rheinländer allerdings auch diesmal wieder meilenweit entfernt.

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